Von der Werkstatt an die Feuerwehrschule: Jonas Liebl ebnet den Weg für eine zukunftsweisende Kooperation
Von der Werkstatt an die Feuerwehrschule: Jonas Liebl ebnet den Weg für eine zukunftsweisende Kooperation
RIEDEN / WÜRZBURG – Wenn Einsatzfreude, Durchhaltevermögen und gelebte Inklusion aufeinandertreffen, entsteht eine Geschichte wie die von Jonas Liebl. Der 30-jährige Riedener, der mit einer Hypophysenvorderlappen Insuffizienz lebt, absolviert derzeit ein Praktikum an der Staatlichen Feuerwehrschule Würzburg (SFSW). Was als Erprobung begann, entwickelt sich zu einem Leuchtturmprojekt: Es geht nicht nur um ein dauerhaftes Bleiben für Liebl, sondern auch um eine langfristige Kooperation zwischen der Feuerwehrschule und den Mainfränkischen Werkstätten.
Für Jonas Liebl ist das Thema Feuerwehr weit mehr als ein Hobby – es ist eine Herzensangelegenheit. In seinem Heimatort Rieden bei Würzburg ist der 30-Jährige fest in der Dorfgemeinschaft verwurzelt und engagiert sich seit Jahren aktiv in der Freiwilligen Feuerwehr. Dass sein Weg an die Staatliche Feuerwehrschule führte, ist dem Fachbereich „INklusiv! Gemeinsam arbeiten“ der Mainfränkischen Werkstätten zu verdanken. Der Fachdienst setzt sich dafür ein, Menschen mit Behinderung Nischen und Chancen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu eröffnen.
Aufgrund seiner gesundheitlichen Herausforderung – einer Hypophysenvorderlappen Insuffizienz, die ein gutes Gespür für die eigenen Leistungsgrenzen und eine angepasste Tagesstruktur verlangt – ist ein maßgeschneidertes Arbeitsumfeld entscheidend.
Erprobungsphase in allen Bereichen: Auf der Suche nach der perfekten Aufgabe
Genau hier setzt die aktuelle Phase an der Feuerwehrschule an. Unter der Betreuung von Bernd Zimmermann, Lehrkraft an der SFSW, und eng begleitet von Jonas Dreher, Inklusionsbegleiter der Mainfränkischen Werkstätten, durchläuft Jonas Liebl derzeit eine vielseitige Ausprobierphase.
Um die passgenauen Aufgaben für Liebl zu finden, schnuppert er in nahezu alle Arbeitsbereiche der Staatlichen Feuerwehrschule hinein: von der Logistik und der Vorbereitung von Ausbildungsmaterialien über die Unterstützung im Werkstatt- und Instandhaltungsbereich bis hin zu organisatorischen Handgriffen im Tagesbetrieb. Ziel ist es, ein Aufgabenprofil zu definieren, das genau zu seinen Fähigkeiten und Interessen passt.
„Jonas bringt eine immense Motivation mit. Man merkt sofort, dass er für die Feuerwehr brennt“, betont Inklusionsbegleiter Jonas Dreher. Die Begleitung sorgt dafür, dass die Einarbeitung Schritt für Schritt gelingt und Barrieren im Alltag gar nicht erst entstehen.
Ein Gewinner auf allen Seiten – auch für die Heimatwehr Rieden
Das Praktikum strahlt weit über Würzburg hinaus: Auch für die Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Rieden erweist sich Jonas’ Zeit an der Feuerwehrschule als echter Gewinn. Durch den täglichen Einblick in die Arbeit der zentralen bayerischen Ausbildungsstätte bringt Liebl wertvolle Einblicke, Kniffe und aktuelle Praxistipps mit nach Hause. Bei Übungsabenden und im Vereinsleben steht er seinen Mitstreitern im Dorf stets mit frischem Wissen und praktischer Erfahrung zur Seite.
Ziel: Dauerhafte Anstellung und feste Kooperation
Das Praktikum an der Feuerwehrschule soll dabei nur der erste Schritt sein. Nach erfolgreichem Abschluss der Orientierungsphase ist ein dauerhafter Verbleib von Jonas Liebl an der Staatlichen Feuerwehrschule Würzburg fest eingeplant – als ausgelagerter Arbeitsplatz der Mainfränkischen Werkstätten.
Darüber hinaus schlägt Liebls Einsatz die Brücke für etwas noch Größeres: Die Verantwortlichen beider Seiten prüfen derzeit eine feste und dauerhafte Kooperation zwischen den Mainfränkischen Werkstätten und der Staatlichen Feuerwehrschule Würzburg. Eine solche Partnerschaft könnte künftig weiteren Menschen mit Behinderung die Möglichkeit bieten, praktische Erfahrungen im Umfeld der Feuerwehr zu sammeln und aktiv am Arbeitsleben teilzuhaben.
Für Lehrkraft Bernd Zimmermann und das gesamte Team vor Ort ist der neue Kollege bereits jetzt eine Bereicherung. Jonas Liebl beweist jeden Tag aufs Neue: Mit der richtigen Unterstützung, engagierten Partnern und Leidenschaft lässt sich Inklusion im Alltag ganz selbstverständlich und erfolgreich leben.